Overbacher Kammerorchester: Klangerlebnis der ganz besonderen Art
12 Mai
(rb) | 11.05.2009, 16:20
Jülich.
Zu Lebzeiten hätten sie höchstwahrscheinlich keinen gemütlichen Abend
zusammen verbracht, schon allein, weil sie nicht alle drei zur gleichen
Zeit lebten. Doch besser spät als nie.
Beim Konzert des Overbacher Kammerorchesters in der
Christuskirche in Jülich trafen die Komponisten Händel, Haydn und
Sibelius aufeinander und siehe da - sie verstanden sich gut.
Romantische Gefühle
Dafür sorgten die Musiker des Kammerorchesters unter der
Leitung von Ulrike Erdtmann. Das Publikum genoss ein harmonisches
Klangerlebnis, das die Werke der Komponisten eindrucksvoll wiedergab
und die gesamte Kirche in die jeweilige Stimmung versetzte.
Besonders gefühlsgeladen war die Interpretation von Jeans Sibelius
«Rakastava» («Der Liebende»), deren drei Sätze eine ausgewogene Einheit
bildeten. Romantische wie sinnliche Gefühle trafen hier auf den
bewegungsreichen Charakter eines Perpetuum Mobile. Auf den ersten Satz
folgten «Der Weg der Geliebten» und «Guten Abend ... Lebe wohl!».
Bei Händels «Concerto grosso op.3, Nr.4» aus dem Jahr 1734
erhielten die Streicher des Kammerorchesters Unterstützung von zwei
Oboen und einem Fagott. Hier fiel besonders der Kontrast zwischen den
Concertino-Gruppen, bestehend aus zwei Solo-Violinen sowie den Oboen
und dem Fagott, und den Tuttiabschnitten ins Auge, der typisch für ein
Concerto grosso ist. Die punktgenaue Akzentuierung unterstrich die
Tanzmelodien, die zur Zeit Händels durchaus beliebt waren.
Mit der etwas düsteren Stimmung in «La Passione» von Joseph Haydn
entließ das Kammerorchester sein Publikum an diesem Abend. Die Sinfonie
veranschaulicht gut Haydns Mut zum Experimentieren, denn sie ist
ungewöhnlicherweise in f-Moll komponiert.
Mit differenzierter Dynamik, ausgefeiltem Rhythmus, großen
Intervallsprüngen und dem Einsatz der Bläser versuchte er, einen neuen
sinfonischen Stil zu erschaffen. Das Kammerorchester bot mit dieser
Auswahl einen Einblick in sein Repertoire, das Werke vom Barock bis zur
Moderne umfasst, und bewies dabei einmal mehr sein musikalisches
Können. Nach ausgiebigem Applaus durfte eine Zugabe nicht fehlen.
Einige Plätze in der Christuskirche blieben leer und so ließ die
Quantität der Zuhörer ein wenig zu wünschen übrig.
Umso überzeugender war dafür die Qualität des Konzerts, das bestimmt auch Händel, Haydn und Sibelius gefallen hätte.